Europäische Verteidigung im Wandel – was bedeutet das jetzt für Investoren?
In diesem Webinar gibt die DNB Einblicke in die Entwicklung des europäischen Verteidigungssektors, ein Jahr nach der Einführung des DNB-Europäischen Verteidigungsfonds.
Zusammen mit dem Manager Stian Ueland, diskutiert Jorgen J. Mork darüber, wie Geopolitik, Budgets und technologische Veränderungen Investitionsmöglichkeiten prägen – in einem Markt, der sowohl starkes zugrunde liegendes Wachstum als auch signifikantes Markengeräusch aufweist.
Ein Jahr mit dem Verteidigungsfonds: Renditen und Marktstimmung
Der DNB Europäische Verteidigungsfonds ist nun seit einem Jahr aktiv. Laut Manager Stian Ueland war der Zeitraum durch ein starkes Interesse von Investoren und Renditen geprägt, die weitgehend mit dem globalen Index und dem europäischen Index Schritt gehalten haben, jedoch mit höherer Volatilität.
Die Aktienkurse im Sektor wurden weitgehend von kurzfristiger Stimmung getrieben – insbesondere in Bezug auf die US-Politik, NATO-Debatten und geopolitische Unsicherheit – während die zugrunde liegenden Unternehmen gleichzeitig starkes Wachstum bei Auftragseingängen und Gewinnen verzeichneten. Diese Unterscheidung zwischen fundamentalen Bedingungen und Marktpreisen ist ein wiederkehrendes Thema im Webinar.
Veränderte Anlegerfokussierung, aber intakte Treiber
Gegen Ende von 2025 und Anfang 2026 gab es eine signifikante Preisentwicklung bei europäischen Verteidigungstiteln, bevor die Marktaufmerksamkeit teilweise auf andere Themen wie Energie und künstliche Intelligenz umschwenkte. Ueland weist darauf hin, dass dies zu einer Phase seitwärtsgerichteter Preisbewegungen bei mehreren großen Verteidigungsunternehmen geführt hat, trotz zunehmend starker Auftragsbücher.
Die Berichterstattung von Unternehmen wie Rheinmetall veranschaulicht dies: Die Quartalszahlen können schwanken, aber die Erwartungen an zukünftige Lieferungen und neue Verträge bleiben hoch. Der Manager betont, dass solche Perioden oft einen differenzierten Einstiegspunkt für langfristige Investoren bieten.
Verteidigungsbudgets als langfristiger Treiber
Vielleicht der wichtigste strukturelle Treiber ist der anhaltende Anstieg der globalen Verteidigungsbudgets. Europa steht an einem klaren strategischen Scheideweg, da die USA zunehmend Asien und China priorisieren.
Mit rund 100.000 amerikanischen Soldaten, die in Europa stationiert sind, und Signalen einer Reduzierung entsteht ein sicherheitspolitisches Vakuum, das die europäischen Länder selbst füllen müssen. Dies setzt Druck auf die nationalen Budgets und unterstützt einen langfristigen Investitionsbedarf in der europäischen Verteidigungsindustrie. Ueland beschreibt dies als einen säkularen Trend, der viele Jahre anhalten könnte.
Technologische Veränderungen: von schweren Plattformen zu Drohnen und Sensoren
Das Webinar betont, wie moderne Kriegsführung die Nachfrage nach Verteidigungsmaterialien verändert. Erfahrungen aus der Ukraine und dem Nahen Osten haben die Bedeutung von Drohnen, Drohnenschutz, Elektronik und Kommunikation verdeutlicht.
Gleichzeitig wird die Frage aufgeworfen, welche Rolle traditionelle Plattformen wie Panzer langfristig spielen werden. Beispiele wie Estlands Entscheidung, signifikante Mittel von Panzern auf Drohnen und Drohnenschutz umzuleiten, verdeutlichen diesen Wandel. Der Fonds hat daher die Exponierung gegenüber Nischenanbietern und Technologieunternehmen erhöht, während etablierte Akteure wie Kongsberg Gruppen, Rheinmetall, Saab und Thales weiterhin eine zentrale Rolle als Systemintegratoren und „Gatekeeper“ spielen.
Europäische Autonomie und die Reaktion des Kapitalmarktes
Europa importiert immer noch etwa 70 Prozent seiner Verteidigungsmaterialien aus den USA – ein Niveau, das Ueland für langfristig nicht nachhaltig hält. Der Anspruch auf größere europäische Eigenständigkeit schafft neue Möglichkeiten für die Verteidigungsindustrie des Kontinents. Dies spiegelt sich auch in den Kapitalmärkten wider, mit zunehmender IPO-Aktivität und starkem Wachstum bei Risikoinvestitionen, die auf Verteidigungstechnologie abzielen. Kleinere, spezialisierte Unternehmen mit autonomen Systemen, Sensoren und Navigation ohne GPS werden als Beispiele für Bereiche mit erheblichen Potenzial hervorgehoben.
Zusammenfassend wird betont, dass der Sektor heute in der Preisgestaltung differenzierter erscheint als vor einem Jahr, während die Erträge weiterhin wachsen. Für Investoren ergibt sich dadurch ein komplexeres, aber auch interessanteres Bild.
Für detailliertere Informationen verweisen wir auf das Webinar.
