Interview: „Tech- und Erneuerbare- Energie-Sektor weit vorne“
Im Gespräch mit Mike Judith, Head of International Sales bei DNB AM, über Anlagechancen im neuen Jahr und Probleme bei ESG-Einstufungen von Unternehmen
Blog-Redaktion: Ein schwieriges Jahr für Investoren geht zu Ende. Was könnte 2023 bringen?
Judith: Wir gehen davon aus, dass am Aktienmarkt noch einige ruppige Phasen vor uns liegen. Bislang war der Aktienabschwung in erster Linie auf eine Kombination von verschiedenen Multiplikatoren zurückzuführen, da die Inflation höher als erwartet war und die Zentralbanken die Zinsen aggressiv angehoben haben. Die nächste Abwärtsbewegung könnte durch niedrigere Gewinnschätzungen aufgrund schwächerer Umsatzerlöse und einer Margenkompression ausgelöst werden. Wann die Talsohle erreicht sein wird, lässt sich noch nicht feststellen. Fazit: Es wird wohl ungemütlicher werden, Anleger sollten sich darauf einstellen.
Blog-Redaktion: Bei welchen Sektoren sieht die DNB gute Chancen?
Judith: Wenn der Markt die Talsohle erreicht hat, sollten prozyklische Sektoren gut abschneiden. Hier haben wir Nebenwerte im Blick, nachdem sie in den letzten zwölf Monaten eine Rekord Underperfor mance erzielt haben. Darüber hinaus sollten auch zyklische Konsumgüter profitieren, da die Inflation zurückgeht. Auch dieser Sektor hat 2022 sehr schlecht abgeschnit ten. Das Gleiche gilt für Wachstumswerte, bei denen ein erheblicher Teil der erwarte ten Gewinne in der Zukunft liegt und die aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber höheren Zinssätzen stark unter Druck geraten sind. Bei den Wachstumswerten würden wir den Tech und Erneuerbare EnergieSektor hervorheben, der immer noch von einem starken strukturellen Rücken wind profitiert. Die erheblichen Rückschläge der BigtechAktien oder der grünen „Pure Plays“ haben wir bereits zum selektiven Einstieg genutzt. Zuguterletzt, auch wenn es für manche vielleicht schon abgedroschen erscheinen mag, stimmt die ,Nordic Story’ noch immer. Sie steht für Stabilität, die gerade im Zuge der Corona-Pandemie unter Beweis gestellt wurde.“ Wobei Norwegen und Schweden die wichtigsten Wirtschaftsräume im hohen Norden darstellen. Letzt genanntes Land ging während der Covid-Krise einen Sonderweg und verzichtete auf breit angelegte Lockdowns, was die Wirtschaft unterstützte. Norwegen verfügt wiederum über massig Erdöl und Gas, das erweist sich in der gegenwärtigen Krise natürlich als Trumpf. Wem die nordische Story interessiert, könnte den „DNB Fund Nordic Small Cap“ unter die Lupe nehmen. Große Positionen sind hier z.B. THQ Nordic, Bayn Group und Toadman Interactive.