Warum Apple aktuell nicht ins Portfolio gehört
Marktkommentar von Mikko Ripatti, Senior Sales Portfolio Manager bei DNB Asset Management über den Techsektor

Manche Marktakteure befürchten, dass der Telekomsektor zur Value-Falle werden könnte: Die Aktienperformance ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben, während die Gewinnprognosen nur wenig überzeugen. Das Gegenteil ist der Fall: Erweitert man den Blick von drei auf sechs Monate, dürfte dieser Subsektor am wenigsten von Prognose-Änderungen nach unten betroffen sein. Mit einer Abwärts-Anpassung von 4 Prozent steht dieser Subsektor bereits jetzt besser da als andere Bereiche des Technologie-Sektors. Basierend auf diesen niedrigen Erwartungen bedarf es keiner besonderen Überraschungen mehr, um eine Outperformance zu generieren. Auch aufgrund ihrer guten Geschäftsmodelle bieten Telekomtitel signifikantes Aufholpotenzial. Künftig dürften sie nicht mehr mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von zehn, sondern eher über 25 bewertet werden.
Deutlich zu teuer ist hingegen der Software & Services-Sektor mit teils abenteuerlichen Kurs-Gewinn-Verhältnissen. Berücksichtigt man die Aktienoptionen als Teil der Kompensation der Führungskräfte, liegen sie häufig zwischen 60 und 100, was eine deutliche Untergewichtung dieses Subsektors nahelegt. Nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Monate ist viel heiße Luft im Markt – was langfristig nicht gut gehen kann. Apple ist ein Beispiel für einen Titel, den Anleger derzeit nicht im Portfolio haben müssen. Die Aktie ist in diesem Jahr um mehr als 70 Prozent gestiegen, während die Prognosen für den Gewinn je Aktie nur um ein Prozent angehoben wurden. Das Betriebsergebnis (EBIT) liegt auf dem gleichen Niveau wie 2015.
Kein Engagement in Titeln, die die Schlagzeilen bestimmen
Zusätzliche Wertschöpfung im App-Business ist eher unwahrscheinlich, weil es sich vor dem Hintergrund der Coronakrise um den perfekten Sturm gehandelt hat. Zugleich wird der 5-G-Wiederbeschaffungszyklus vor dem Hintergrund eines von einem hohen Sättigungsgrad gekennzeichneten Marktes überbewertet. Nicht zuletzt ist Apple sehr stark vom chinesisch-amerikanischen Handelskrieg betroffen. Trotz der fehlenden fundamentalen Wertschöpfung wird die Apple-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 33 auf Basis der für das kommende Jahr prognostizierten Gewinne gepreist.
Um das Thema Big Tech zu spielen, müssen sich Anleger nicht in Titeln engagieren, die gerade die Schlagzeilen bestimmen und entsprechend hoch bewertet ist. Ein Beispiel ist der südkoreanische Smartphone-Zulieferer Samsung, die mit einem cash-adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 bei Wachstum von 5 Prozent gehandelt wird.